Wie es früher war

Erinnerungen an eine schwere Zeit

Wie es früher warEs war kurz nach dem 2. Weltkrieg. Wie alle in meinem Alter mußte ich für den Lebensunterhalt der Familie meinen Beitrag leisten. Lehrstellen gab es zu dieser Zeit nicht. Aber beim Bauer gab es immer was zu tun. Mein Vater hatte die Ansicht: "Mädchen müßen zuerst einmal den Haushalt erlernen. Am besten bei einem Bauer, denn da wird noch richtig gekocht." Damals war das "so".


So kam ich zum nahe gelegenen Bauernhof. Da waren die Altbäuerin, der Bauer, die Bäuerin und die beiden Jungs Klaus (12) und Otto (13). Kinder! Mit denen konnte man ja nichts anfangen. Immerhin war ich ja schon vierzehn! Ach ja, und ein Knecht. Er war für die Pferde und die Kühe zuständig - für's Grobe halt.

Mein Tag begang um 6 Uhr morgens. Ich lernte Kühe melken, Schweine und Hühner füttern und die Schafe je nach Witterung auf die Weide bringen. Die armen Viehcher, wie oft habe ich sie in der Nacht von der Weide holen müssen. Ich hatte sie einfach vergessen.

MädchenIch lernte Putzen und Spülen. Während der Erntezeit kam Hilfe aus dem Nachbardorf. Dann wurde ich jeden Tag mit zwei schwere Taschen beladen mit Essen und Getränken. Mit dieser schweren Last ging ich auf's Feld.
Einmal in der Woche mußte ich die vier Kilometer zu Fuß ins nächste Dorf Brot holen. Mit zehn Broten auf dem Rücken ging es wieder zurück.

Fernsehen und Radio gab es nicht, so lernte ich an den Abenden Stricken und Stopfen und natürlich Kochen. Insgesamt waren wir zwölf auf dem Hof und ich war immer für die Kartoffeln zuständig: schälen, kleinschneiden, kochen und kleindrücken - mit den Händen versteht sich. Sie werden es nicht glauben, aber Kartoffelpüree mache ich noch heute so, weil es gut für die Hände ist. Meine Hände sind danach so zart wie ein Kinderpopo.

Nach etwa drei Wochen auf dem Bauernhof hatte ich mich eingelebt, dachte ich. Ich wußte, was ich zu tun hatte. Ich kannte den Hof, die Leute und meine Aufgaben. Doch dann kam ein Ereignis, mit dem ich nicht gerechnet habe: Es war spät in der Nacht als mich die Bäuerin weckte. "Wach auf! Die Kuh kalbt". Ich erschrak und dachte, was könnte ich dabei helfen?! Ich war noch nie bei der Geburt eines Kalbes dabei.

Im Stall waren bereits der Bauer und der Tierarzt. Aus dem Gemurmel der Anderen verstand ich, daß das Kalb falsch lag. Dies ist für Kuh und Kalb eine gefährliche Situation. Da die Geburt schon ziemlich vorgeschritten war, konnte und wollte man auch nichts unternehmen. Alle hofften auf ein gutes Gelingen. Ich konnte die Hinterbeine des Kalbes sehen. Alle waren hektisch und aufgeregt, aber die Kuh - so hatte ich den Eindruck - nahm es eher locker und plötzlich lag das gesunde Kalb im Stroh. Kuh und Kalb wohlauf! Bauer und Tierarzt beglückwünschten sich.

Ich kam mir eigentlich ziemlich überflüssig vor und dachte, daß ich mich jetzt einfach verdrücken könnte. Doch die Bäuerin rief: "Halt! Das ist jetzt Dein Kalb! Bis morgen bleibt das Kalb bei der Mutter. Ab dann wird die Kuh gemolken und Du mußt dem Kalb beibringen aus dem Eimer zu trinken." Erst viel später hab ich verstanden, daß die Kuh für die Milchproduktion des Hofes ihren Teil leisten mußte und es ungünstig war, das Kalb bei der Mutter zu lassen.

BäuerinWie bringt man bloß ein Kalb dazu, aus dem Eimer zu trinken? - Es war eine Tortur! Die Anleitung der Bäuerin klang ganz einfach: "In einem Arm das Kalb festhalten, mit dem anderen Arm den Eimer mit Milch halten. Dann einen Finger dem Kalb zum lutschen geben und den Kopf in den Eimer drücken." Na toll! - Klingt ganz einfach. Hab ich so versucht! Ich hab nur ziemlich schnell kapiert, daß ein Kalb, das Euter sucht. Das bedeutet, es streckt den Kopf nach oben, also gegen den Eimer, nicht hinein!

Was tun? - Ich hatte meine Aufgabe und das Kalb war ja auch so niedlich, daß ich fast verzweifelte. Ich wollte doch, daß dieses Kälbchen sich wohlfühlt und weiterlebt! Ein wenig Glück gehört doch dazu: Der eine Eimer hatte ein Loch im Boden und als ich die Milch einfüllte, kam das Kalb und leckte an der ausfließenden Milch. Das war noch nicht der "Weisheit letzter Schluß". Was liegt näher, einen Schlauch an dieses Loch zu montieren???

Selbst der Tierarzt lobte mich für meinen "Einfallsreichtum". Fort an war ich die "Mutter der Kälber".
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