Das Pferd Bajazzo

Er warb um die Damen mit allen Mitteln

Das Pferd BajazzoAuf der Anhöhe unserer kleinen Stadt, inmitten von blühenden Wiesen und Feldern, befindet sich die Pferdepension der Familie Huber. Viele Eigner halten dort ihre Pferde - Hengste, Stuten und Ponies.
Mit Hingabe kümmern sich die Hubers und die angestellten Tierpfleger um die Tiere. Sie werden gestriegelt und geputzt. Die Mähne und der Schweif gekämmt und manchmal auch geflochten.

Ich gehe gerne an den Koppeln entlang spazieren, zwischen den Kornfeldern bis zum Waldrand und wieder zurück - vorbei an den grasenden Pferden. Dann bleibe ich dort eine Weile stehen, um diesen prächtigen Tieren zuzusehen; dies aber mit gebührendem Abstand. Mir ist - um ehrlich zu sein - ein wenig bange vor so viel geballter Energie.

Anschließend gehe ich zu meiner Bekannten, Frau Luise, ein kleines Schwätzchen halten und eine Tasse Kaffee trinken. Frau Luise wohnt auf dem Hof der Hubers. Von ihrer kleinen Terrasse am Haus hat man einen herrlichen Blick über Wiesen und Felder. Wie friedlich es hier doch ist. Kein Lärm. Nur das leise Schnauben der Pferde und das Zwitschern der Vögel. Nur die Mücken sind lästig.

BajazzoAuch heute saß ich wieder dort. Vor uns auf der großen Koppel stolzierte der Hengst von Familie Huber. Was für ein Pferd! Schmaler Kopf, schlanker Hals und ein Fell wie Seide. Hubers haben auf Turnieren schon viele Preise mit ihm gewonnen. Bajazzo! Das ist sein Name. Ein Name der auf der Zunge zergeht. Bajazzo lief aufgeregt am Zaun entlang und äugte auf die andere Koppel. Dort grasten friedlich zwei Stuten. Es schien, als ob Bajazzo die Aufmerksamkeit der Beiden erheischen wollte. Was heißt hier "wollte"? - Er warb um die beiden "Damen" mit allen Mitteln. Er galoppierte über die Koppel und vollführte exzellente Sprünge. Am Zaun tänzelte er hin und her mit erhobenem Kopf, schüttelte seine Mähne und ließ seinen Schweif kreisen. Unbeeindruckt von seiner Show grasten die Stuten weiter. Doch so ein Hengst läßt sich das nicht so einfach bieten:Stuten"Hey, was fällt euch ein? Seht, was ich für ein Prachthengst bin!", schien er mit seinem Schnauben und Wiehern auszudrücken. Doch die Stuten grasten weiter, als wenn sie ihn absichtlich nicht bemerken wollten.

Frau Luise meinte amüsiert von der Situation: "Das geht schon den ganzen Tag so. Also, wenn ich so umworben würde, könnte ich nicht so gleichgültig sein" und lächelte dabei. Doch Sie hatte ihren Satz kaum ausgesprochen, als Bajazzo mit großem Tempo auf die Umzäunung hin galoppierte. Er setzte zum Sprung an und meisterte den etwa 1 Meter 50 hohen Zaun anmutig.

Verblüfft schaute ich Frau Luise und sie mich an. Und nicht weniger verblüfft staunten die Stuten auf den herbeieilenden Hengst. Längst war auch Herr Huber aufmerksam geworden, der alle Mühe hatte, Bajazzo zu erwischen, der wiederum Jagd auf die Stuten machte.

Herr Huber sprach beruhigend auf Bajazzo ein und konnte ihm dann nach einer Weile die Zügel anlegen und in den Stall führen. Etwas ungehalten schimpfte er mit dem Tierpfleger: "Wie kannst Du den Hengst nur neben den Stuten auf die Koppel führen?!". War das eine aufregende Kaffestunde. Das heißt, der Kaffee war inzwischen kalt geworden.
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