Hintergrundinformation "Blutsaugende Parasiten"

1. Zecken

Holzbock beim BlutsaugenZecken gehören zu den Spinnentieren (Akariden), die sich durch acht Beine und einen unsegmentierten Rumpf auszeichnen. In Deutschland sind knapp 20 der weltweit rund 800 Arten heimisch. Je nach Art besetzen sie unterschiedliche Biotope, wobei sie im Allgemeinen warme, aber nicht zu heiße Temperaturen bevorzugen und Trockenheit meiden. Von daher sind Zecken in Deutschland im Frühling und dann wieder im Herbst besonders aktiv. Als Faustregel gilt, dass unsere einheimischen Zecken oberhalb 8°C aktiv werden.

Die Parasiten durchlaufen eine dreistufige Entwicklung: Aus dem Ei schlüpfen Larven, die sich zu Nymphen umwandeln, aus denen wiederum die erwachsenen, geschlechtsreifen Tiere entstehen. Für jede Umwandlung benötigt die Zecke Blut, das sie sich durch die Blutmahlzeit auf einem Säugetier verschafft. Durch ein spezielles Riechorgan (Haller’sches Organ) in ihren Vorderbeinen erkennen Zecken das Nahen einer geeigneten Beute. Streift diese den Parasit, hält sich die Zecke blitzschnell fest und beginnt nach kurzer Suche mit dem Saugvorgang.

Zecken heften sich sehr fest an ihre Beute, indem sie den Saugrüssel mit einem speziellen Klebstoff "einbetonieren", da sie über mehrere Stunden bis hin zu einigen Tagen Blut saugen. Während dieser Zeit können die Parasiten ihr Gewicht um das bis zu 200-fache erhöhen. Gleichzeitig erlaubt diese Zeitspanne Infektionserregern wie Viren, Bakterien und Einzellern, aus den Speicheldrüsen oder dem Verdauungstrakt des Parasiten über den Saugrüssel in die Blutbahn des Wirtstieres zu wechseln. Kein anderer Überträgerparasit beherbergt so viele verschiedene Erreger wie die Zecke, und oft werden gleichzeitig mehrere Erregerarten übertragen. Die Folge sind Infektionserkrankungen wie FSME, » Borreliose oder » Babesiose (oft auch Hundemalaria genannt), die der Zecke den zweifelhaften Ruf als „gefährlichstes Tier Deutschlands“ eingebracht haben.

Die häufigste Zeckenart Deutschlands ist der Holzbock (Ixodes ricinus), der in den meisten landwirtschaftlich nicht genutzten Gebieten anzutreffen ist. Erst in den letzten 20 Jahren hat sich mit der Auwald- oder Buntzecke (Dermacentor reticulatus) eine größere Zeckenart hierzulande eingebürgert und ausgebreitet. Im Unterschied zum Holzbock kann die Auwaldzecke ihren Beutetieren auch (langsam) nachlaufen. In tropischen und wärmeren Gebieten wie etwa Südeuropa ist die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) oft ganzjährig anzutreffen. Alle drei Zeckenarten können zahlreiche Infektionserreger übertragen, die Mensch und Hund gefährlich werden.

Nach Ansicht der meisten Experten breiten sich Zecken in Nord- und Mitteleuropa zunehmend aus. Dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich: 1. Innerhalb einer klimatischen Region hat die Zahl an Wildtieren wie Schwarz- und Rotwild im Allgemeinen zugenommen, so dass die Zecken leichter Beute finden und dadurch mehr Nachwuchs produzieren können. 2. Da die Parasiten sehr fest am Wirtstier haften, können sie von diesem über eine weite Entfernung mitgeschleppt werden und damit in bislang unbesiedelte Gebiete gelangen. So zum Beispiel durch Hunde, die aus zeckenverseuchten Gebieten importiert werden oder von einem Urlaubsaufenthalt zurückkehren. 3. Zecken scheinen auch in Regionen mit kühlerer Witterung vorzudringen. So wird in Skandinavien seit einiger Zeit eine Ausbreitung des Holzbocks nach Norden hin beobachtet, was wahrscheinlich auf die milden letzten Winter zurückzuführen ist und sich bei den prognostizierten Klimaänderungen zu einem globalen Trend entwickeln könnte.

Zeckenfotos (zum Vergrößern anklicken!):



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