Alle Katzen müssen kratzen

Alle Katzen müssen kratzenKatzen kratzen, weil Sie damit Duftnachrichten übermitteln. Sie kratzen an Baumstämmen und aufrechten Pfosten im Freien. Dabei treten Pheromone aus Drüsen zwischen ihren Fußballen aus, den aber nur andere Katzen wahrnehmen können. Diese Pheromone haben keine große Reichweite. Deshalb sind die Kratzspuren so wichtig. Sie zeigen anderen Katzen den Ort, wo das Duftsignal zu finden ist.

Außerdem dient das Verfahren den Katzen dazu, die abgenutzten äußeren Krallenschichten abzuschilfern. Da der Duft des Pheromons rasch verfliegt, müssen Kratzmarkierstellen ständig aufgefrischt werden. Nicht nur draußen, wo die Katze besonders geeignete Bäume immer wieder aufsucht, und so für deutlich sichtbare Kratzspuren sorgt, auch in der Wohnung will sie Zeichen setzen. Katzen finden das gut. Kratzmarkieren zählt zum völlig natürlichen Imponier- und Komfortverhalten und macht ihnen Spaß. Jede Katze genießt es, wenn andere Katzen oder ihr Mensch dabei zuschauen. Mit Kratzen in Anwesenheit von Sozialpartnern demonstriert die Katze ihre Wichtigkeit und Persönlichkeit. Deshalb liegen beliebte Kratzstellen an zentralen, gut sichtbaren Stellen. Dort, wo sich Katzen mit Artgenossen oder ihrer Menschenfamilie treffen und in der Nähe von Schlaf- und Ruheplätzen. Lästig ist es manchmal, wenn unsere Hauskatze dieses völlig natürliche Verhalten am falschen Platz in der Wohnung austobt. Schon ein kurzer Blick auf Polstermöbel oder Tapeten verrät dem kundigen Besucher: "Hier wohnt eine Katze!" Leider suchen sich Katzen für diese "Visitenkarte" selbst dann noch den antiken Ledersessel aus, wenn der teuerste Kratzbaum in der Nähe steht.

Der Kratzbaum

Damit sich Ihre Katze erst gar nicht an das Krallenschärfen am falschen Ort gewöhnt, stellen Sie lieber gleich ein attraktives "Pinboard" auf, wo sie ihre Botschaften einritzen kann. Der Zoohandel bietet zahlreiche Kratzbäume an. Katzen lieben es, sich beim Kratzen zu recken - sie sehen dann auch so schön groß aus - daher muss der Kratzbaum mindestens so hoch sein wie Ihre Katze lang ist, wenn sie ausgestreckt auf den Hinterbeinen steht. Sie können ihr aber auch einen größeren Ast von draußen mitbringen. Denken Sie daran, dass ihre Katze es gut findet, wenn man ihre Spuren auch sieht. Und genauso wichtig ist es, dass der Kratzbaum an einen gut sichtbaren Ort steht. Also bitte nicht in der Abstellkammer sondern dort, wo sich die Katze gerne aufhält, lieber mitten im Wohnzimmer oder genau dort, wo vorher das bevorzugte "Kratzmöbel" stand. Ermuntern Sie die Katze, ihre neue "Litfasssäule" auszuprobieren. Machen Sie den Kratzbaum attraktiv. Binden Sie eine Schnur oder ein Spielzeug daran fest und schauen Sie ihr beim Spielen zu. Sobald Ihre Katze sich zufällig ihre Krallen an dem Baum schärft, wird sie gelobt und mit einem Leckerli belohnt. Kratzende Katzen lieben ein begeistertes Publikum. Ist die Kratzstelle erst einmal angenommen, wird sie immer weiter benutzt werden, denn aus Katzensicht müssen Kratzstellen ständig aufgefrischt werden.

Kratzbretter

Manche Katzen schärfen ihre Krallen lieber auf dem Boden. Wenn Ihre Katze die Krallen über den Fußboden zieht, sollten Sie ein Kratzbrett kaufen. Es wird flach auf den Boden gelegt und schont Teppiche und Dielen. Die Gewöhnung geht genauso wie beim Kratzbaum.

Wichtig: Nicht zu verwechseln mit dem Krallenschärfen ist das Treteln oder der Milchtritt. Dabei sitzt oder liegt die Katze und fährt abwechselnd rythmisch die Vorderpfotenkrallen aus. Das ist reines Instinktverhalten und bedeutet, dass sich Ihre Katze jetzt ganz besonders wohl fühlt. Sie ist wieder in ihrer Babywelt, wo sie durch diese Bewegungen die Milchdrüsen ihrer Mutter massiert. Stören Sie Ihre Katze in solchen Augenblicken nicht. Bleiben Sie ruhig und genießen Sie das Vertrauen, dass sie Ihnen entgegenbringt, selbst wenn sie dabei ihre Krallen ausfahren muss! Übrigens, ganz junge Katzen können ihre Krallen noch nicht einziehen und ihre erwachsene Katze kann das beim Treteln auch nicht.

Autor und Copyright: Dr. phil. Tjalda Saathoff, Katzenpsychologin
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch:

KATZENSPRACHE - eine Übersetzungshilfe für KatzenfreundeKATZENSPRACHE - eine Übersetzungshilfe für Katzenfreunde
Von Dr. Tjalda Saathoff
Preis: 7.90 € im Buchhandel
ISBN 978-3-942327-00-8
Aus der Reihe "Die kleine Katzenbibliothek"






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