Kampfschmuser oder Sphinx

Gene und Erziehung bestimmen den Charakter Ihrer Katze

Alle Katzen müssen kratzenWünschen Sie sich einen kuscheligen Kampfschmuser? Oder wäre Ihnen eine unnahbare Sphinx lieber? Ein glückliches Katzenhalterleben fängt bei der Auswahl der geeigneten Katze an. Denn genau wie Sie und Ihre Familie sind auch Katzen sehr individuell. Die richtigen Eltern, eine liebevolle Kinderstube, viele Freunde, eine gute Ausbildung und das richtige Umfeld machen aus einem kleinen Kätzchen eine selbstbewusste erwachsene Katze.

Katzen, die unter guten Bedingungen aufwachsen, haben die besten Chancen, auch unkomplizierte Haustieren zu werden.

Die Bauernkatze

Aus den Welpen einer freilebenden Bauernkatze werden selten unkomplizierte Wohnungskatzen. Verhaltensprobleme sind vorprogrammiert, wenn man sie dazu zwingt. Denn die freilebende Katze gewöhnt sich zwar an die räumliche Nähe zum Menschen, wenn sie regelmäßig gefüttert wird, sie will jedoch nur in den seltensten Fällen engen Kontakt. Sie genießt es, draußen oder im Stall zu schlafen, lässt sich ungern anfassen und spielt nicht mit ihren Menschen. Sollten Sie eine gute Mäusefängerin für Ihren Hof suchen, und akzeptieren, dass diese Katze nicht unbedingt mit Ihnen schmusen will, sind Sie mit den Welpen einer Bauernkatze jedoch gut bedient.

Die Wohnungskatze

Damit sich eine Katze als Familienkatze in Wohnungshaltung oder mit nur beschränktem Auslauf wohl fühlt, sollte sie die Nähe des Menschen nicht nur dulden - die Katze sollte den Kontakt von sich aus suchen. Seit einigen Jahren ist bekannt, dass die Bereitschaft zur Kontaktaufnahme mit Menschen bei Katzen ein Teil der Veranlagung ist und vom Vater vererbt wird. Genauer: die Gene des Vaters haben Einfluss auf das Erkundungsverhalten, also die Neugier, der jungen Katzen. Je ausgeprägter dieses ist, desto schneller nehmen die Jungkatzen Kontakt zu ihrer Umgebung und somit auch zum Menschen auf. Diese genetische Disposition nennt sich "Vatereffekt". Wenn Sie bei einer kleinen Katze wissen möchten, ob sie sich gerne streicheln lässt und eng mit Menschen zusammenleben möchte, sollten Sie sich unbedingt die Elterntiere anschauen. Denn auch "die Katze fällt nicht weit vom Stamm". Sind Kater und Kätzin schmusig und kontaktfreudig, stehen die Chancen gut, dass auch der Nachwuchs sich problemlos mit seiner Menschenfamilie arrangiert. Rein genetisch betrachtet haben Rassekatzen von verantwortungsvollen Züchtern dafür die besten Voraussetzungen. Diese Züchter achten nicht nur auf das Aussehen ihrer Katzen, sondern auch auf deren Charakter und Fähigkeit zum friedlichen Zusammenleben mit Menschen. Aber mindestens genauso wichtig wie die Erbanlagen ist es, wie eine Jungkatze aufwächst. Schließlich kann niemand sicher voraussagen, in welcher Kombination der Chromosomensatz von 2n = 38 der Gattung Felis libyca forma catus (so der wissenschaftliche Name aller Hauskatzen, auch der Rassekatzen) bei Ihrer Katze auftaucht.

Wichtigste Grundregel: Ein Katzenwelpe sollte mindestens 12 Wochen bei der Mutter und seinen Geschwistern bleiben. Verantwortungsvolle Züchter werden ohnehin darauf bestehen. Sollten Sie ein jüngeres Kätzchen angeboten bekommen - geschieht leider immer noch zu oft - bitten Sie darum, dass Ihr Welpe noch bis zur Vollendung der 12. Woche bei seiner Mutter und seinen Geschwistern bleiben darf. Zahlen Sie eventuell dafür. Es ist eine wichtige Investition in die Ausbildung und Erziehung Ihrer Katze. Sie müssen vielleicht vier Wochen auf das drollige Kätzchen verzichten, aber Sie werden dadurch viele Jahre mit einer selbstbewussten, unproblematischen Katze gewinnen!

Autor und Copyright: Dr. phil. Tjalda Saathoff, Katzenpsychologin
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem Buch:

WUNSCHKATZE – ein Ratgeber für werdende KatzenhalterWUNSCHKATZE – ein Ratgeber für werdende Katzenhalter
Von Dr. Tjalda Saathoff
Preis: 8.90 € im Buchhandel
ISBN 978-3-942327-01-5
Aus der Reihe "Die kleine Katzenbibliothek"






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